Mit einer Eigenproduktion, die die Grenzen des konventionellen Theaters überschreitet und zum Denken anregt, begeistert das Oberstufentheater des Hans-Leinberger-Gymnasium das Publikum.
“Wir sind es, die die Mittel, die Freiheiten und die Zeit dafür haben [einen kleinen Schritt zu mehr Gerechtigkeit zu machen]. Und deshalb ist es an uns, zu träumen und unseren Träumen Taten folgen zu lassen“, schreibt die Schülerin Miriam Reichart im Programm der Aufführung, das Gedanken der Schülerinnen und Schüler sowohl zur Form, Idee und Inhalt des Stücks, sowie ein Zitat der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie und den Text des John Lennon Songs „Imagine“ enthält.

Die so beim Publikum geweckte Neugier wird mit einer Performance gestillt, wie sie zuvor noch nie gesehen wurde. Um eine Arenabühne herum werden die Zuschauer von reinen Betrachtern des Geschehens zu Teilen desselben. So sprechen die Schauspieler sie direkt an oder reichen ihnen Requisiten, die „sicher bis zum Ende des Stücks verwahrt werden“ sollten. Die zahlreichen choreographischen Elemente, die im Zusammenspiel mit Licht, Musik und wenigen aber immer passenden Worten beeindrucken, lassen die von vier sich nie einig werdenden Göttern erschaffenen Kreaturen lebendig aber trotzdem irgendwie apathisch wirken. Man denkt nach: Spiegeln diese lebendigen Marionetten der Götter tatsächlich auch unser eigenes Verhalten wider?
Auch ohne viele Dialoge bringt das Stück einen mit zahlreichen Anekdoten über das Leben immer wieder zum Schmunzeln und wirkt trotz des Entstehungsorts Schule und der offensichtlichen Zielsetzung, die Weltanschauung des Publikums zu hinterfragen, nie schulmeisterhaft. Vielmehr führt es einem alle Höhen, Tiefen und Zwischenlagen des menschlichen Lebens vor, sodass man nicht umhin kann, sich Fragen zu stellen und nachzudenken. Das Schauspiel schafft es dabei, über das Mitteilungsvermögen einzelner Worte und Bilder sehr ästhetisch und gleichzeitig immer überraschend zu sein. Die Fragen, die es stellt, sind dabei hochaktuell und gleichzeitig so essentiell, dass sie in jede Epoche passen würden.
Neben den Darstellern kann man vor allem die Theaterlehrerin Elisabeth Hübner nicht genug loben, weil sie es geschafft hat, eine Gruppe junger Menschen dazu zu vereinen, ihre Stärken, Gedanken und ihr ganzes Herzblut in ein Portrait des Planeten zu legen, das sich mehr als nur sehen lassen kann.
Wer die drei Vorstellungen im Hans Leinberger Gymnasium verpasst hat (oder das Stück zum wiederholten mal erleben will), hat am Donnerstag den 26.03. um 19:00 im Koenigmuseum eine letzte Möglichkeit, es sich anzusehen. Für diese Vorstellung gibt es Karten auf der Internetseite des Koenigmuseum.
Artikel und Bilder: Y.Laczay (9.Klasse)





