Die Macht der Worte im Mittelstufentheater

Mit den beiden Vorstellungen des Stücks „Ruf mich an Isa“, einer freien Theaterbearbeitung des Romans „Nennt mich nicht Ismael“ des australischen Autors Michael Gerald Bauer, schloss das Mittelstufentheater unter der Leitung von Andreas Herdeis die Theatersaison am HLG nach dem Oberstufentheater und der Theaterklasse ab.

Mobbing. Wie vielleicht so manche in ihrem Alter auch, kennt Isa (im Buch Ismael) dieses Problem nur zu gut. Nur eine Art des Verhaltens, so glaubt sie, kann die ständigen Drangsalierereien seitens Barbara Bagsley (im Buch Barry) und ihrer Gang auf einem Minimum halten: die unauffälligste. Aber Jane Scobie (im Buch James), die neue in der Klasse, ist alles andere als unauffällig und scheint zunächst eine perfekte Mobbing-Zielscheibe abzugeben. Tatsächlich stellt sich aber das Gegenteil heraus. Jane bietet Barbara die Stirn und braucht dafür nur eine Hand voll mit Witz zusammengewürfelte Wörter. Schließlich gründet sie dann mit der Streberin Elisabeth (im Buch Ignatius), der Draufgängerin Raza (im Buch Orazio), Science-Fiction und Fantasy Freak Bine (im Buch Bill) und natürlich der Anfangs zweifelnden Isa einen Debattierclub.

Für die humorvolle Umsetzung auf der Bühne kann man Herrn Herdeis und seine Truppe nur loben. Die Spielerinnen und Spieler verstanden es gut, mit den Stereotypen, die ihre Figuren prägten, zu spielen. Um ihr Publikum zu unterhalten, benötigten sie nicht viele Requisiten und keine großen Kulissen. Trotzdem kamen Effekt-Fans auf ihre Kosten. Gut platziert unterstrichen Lichteffekte und sogar eine Tanzeinlage die Stimmung des Stücks. Äußerst lobenswert war übrigens auch die Nähe zum Originaltext. Zum Beispiel wurden die vielen im Buch vorkommenden Gedanken kreativ sicht- und hörbar gemacht. Außerdem konnte das Buch, in dem vor allem Jungen vorkamen, trotz des seit Jahren im Mittelstufentheater unerklärlich auftretenden Phänomens eines „Männermangels“ – dieses Jahr war immerhin ein Junge dabei – gut umgesetzt werden. Fast alle Figuren wechselten kurzerhand das Geschlecht. Dabei konnte man feststellen, wie wenig die behandelten Themen an Geschlechter gebunden sind. Als einziger Wermutstropfen bleibt, dass Aufgrund der Namensänderung von „Ismael“ auf „Isa“ der Bezug zu Herman Melvilles Klassiker Moby Dick quasi vollständig verschwinden musste. Im Buch hat Ismael ein Problem mit ständigen Assoziationen zu Ismael, dem Erzähler in dem Roman, nach dem er benannt wurde. Aber weil das einerseits wahrscheinlich den wenigsten aufgefallen ist, die eigentliche Botschaft nicht leidet und andererseits schon im Theaterstück des letzten Jahres Wale eine Rolle spielten, ließ sich das ganz gut verkraften.   

Das Stück zeigt, wie Isa und ihre Freunde die verschiedenen Höhen und Tiefen zu bewältigen lernen, durch die so viele schon gehen mussten: sei es Mobbing, eine lebensbedrohliche Krankheit oder die erste große Liebe. Für nichts haben sie wirklich einen Plan, aber am Ende geht dann doch alles gut. Etwas, das bis zum Schluss bleibt, ist die Erkenntnis darüber, wie groß sie ist: Die Macht der Worte.

Auf alle Fälle hat es unglaublich viel Spaß gemacht dem Mittelstufentheater zuzusehen. Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr.

Text: yvl (9.Klasse)

Bild: Mittelstufentheater HLG