Die neuen Wehrdienstregelungen

Um in der aktuellen politisch sehr unvorhersehbaren Lage weiterhin sicherzustellen, dass Deutschland sicher ist, hat die Bundesregierung in Bezug auf den Wehrdienst Reformen vorgenommen. Leider gehen durch die endlosen Diskussionen viele Informationen dazu unter. Wie lauten die neuen Regelungen genau? Was denken die jungen Menschen, die tatsächlich betroffen sind darüber? Was sind eigentlich Zivildienst und Freiwilliges Soziales Jahr?

Die wichtigste Frage zuerst: Gibt es in Deutschland wieder eine Wehrpflicht?

Eigentlich ja, sie bleibt aber nach wie vor “ausgesetzt”. Das bedeutet, dass sie nicht praktisch eingefordert wird. Was neu ist, ist zum einen, dass die Bundesregierung neben dem Spannungs- oder Verteidigungsfall eine zweite Möglichkeit festgelegt hat, sie wieder zu aktivieren, nämlich, wenn es zu wenige freiwillige Soldaten gibt. Gibt es dann mehr Wehrpflichtige als benötigt, wird aus den Wehrpflichtigen ausgelost, wer verpflichtet wird.

Zum anderen besteht jetzt eine Musterungspflicht. Das heißt, dass alle Männer, die ab diesem Jahre 18 Jahre alt werden, einen Fragebogen zugeschickt bekommen, den sie ausfüllen müssen und anschließend werden sie gemustert. Sie werden also psychisch und physisch auf ihre Wehrfähigkeit untersucht. Verpflichtend ist das für deutsche Staatsbürger männlichen Geschlechts. Alle Männer zwischen 17 und 45 müssen ab jetzt außerdem beim Karrierecenter der Bundeswehr genehmigen lassen, wenn sie für mehr als drei Monate ins Ausland wollen. Ohne eine Wehrpflicht muss dieses die Reise aber genehmigen. Für Männer mit doppelter Staatsbürgerschaft, die im Ausland wohnen, sowie für Personen anderen Geschlechts sind Fragebogen und Musterung freiwillig. Für alle Deutschen gibt es die Möglichkeit, Wehrdienst zu leisten. Die Bezahlung liegt monatlich bei etwa 2300 Euro netto. Außerdem genießen Soldaten in Uniform den Vorteil, kostenlos Bahn fahren zu dürfen. Wer sich mindestens für zwölf Monate verpflichtet, bekommt zusätzlich den LKW- oder PKW-Führerschein bezuschusst. Wer aber aus  moralischen Gründen nicht zur Bundeswehr gehen möchte, sollte im Falle der Aktivierung der Wehrpflicht auf keinen Fall einfach nicht erscheinen. Das kann zu bis fünf Jahren Haft führen. Stattdessen sollte man schon früh, nämlich ab einem Alter von siebzehneinhalb Jahren aus Gewissensgründen verweigern. Dann muss man statt zur Bundeswehr zu gehen, Ersatz- oder Zivildienst leisten. Denn im Grundgesetz ist in Artikel 4 Absatz 3 verankert, dass niemand gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden darf. (Quelle: Mirko Drotschmann alias Mr.Wissen2go)

Was ist das Freiwillige Soziale Jahr?

Da es noch keine aktive Wehrpflicht in Deutschland gibt, gibt es auch keinen Zivildienst. Dieser wäre eine Alternative. Dem Zivildienst recht ähnlich ist das “Freiwillige Soziale Jahr” (auch FSJ). Wer nach der Schule noch keine Idee hat, was er oder sie nach der Schule machen will, oder wer einfach mal Lust hat, sich freiwillig zu engagieren und zwischen 16 und 27 Jahre alt ist, kann ein FSJ machen. Die Bereiche, in denen man hier arbeiten kann, sind sehr unterschiedlich. Neben Kitas, Pflegeheimen und Krankenhäusern kann man zum Beispiel auch in Museen, Sportvereinen, Gedenkstätten oder in der Denkmalpflege arbeiten. Die Bezahlung dabei darf allerdings Stand 2026 keine 676 Euro im Monat übersteigen. Außerdem bekommt man mit einem Freiwilligenausweis bestimmte Vergünstigungen für öffentliche Verkehrsmittel oder Freizeitangebote. Manchmal erhält man auch Sachleistungen. Ein FSJ bringt viele Vorteile mit sich. Man knüpft zum Beispielneue Kontakte, sammelt praktische Erfahrungen und findet an sich  neue Stärken und Schwächen.

Und was denken die Schülerinnen und Schüler des HLG über eine mögliche Wehrpflicht?

“Ich gehe selbst nach dem Schuljahr zur Bundeswehr”

Ein Schüler der 10. Jahrgangsstufe erklärt, er fände es gut, dass man die Wehrpflicht jetzt einfacher wieder einführen kann. Seine Bewerbungsunterlagen für eine Offizierslaufbahn habe er letztens bekommen. Er fände es gut, dass jetzt noch jeder selbst entscheiden kann, ob er zur Bundeswehr gehen will oder nicht. Außerdem meint er: “Die Leute, die hier leben, mögen ihr Leben und ich finde es nur logisch, dass man das dann auch behalten will und auch verteidigen sollte.” Eine Pflicht für Wehr- oder Zivildienst hielte er also für eine gute Idee. Da so die Möglichkeit bestände, auch in anderen Bereichen wie der Kinderbetreuung oder der Gesundheitsversorgung zu arbeiten, könnten auch Frauen besser involviert werden.

Es kommt darauf an, für welche Werte man kämpft

Auch ein Schüler der 6. Klasse könnte sich vorstellen, zum Wehrdienst zu gehen. So könnte er Deutschland dienen. Er möchte auch, dass die Demokratie geschützt wird. Diejenigen, die unter einem Krieg leiden würden, wären letztendlich nicht die, die denselben auch führten. “Du gehst ja nicht zum Militär, um deinem Präsidenten zu helfen. Du willst den Leuten helfen, die unter dem Krieg leiden.”, meint er.  Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht bei einem Mangel an Soldaten halte er für sinnvoll.

“Die die nicht an die Waffe wollen, könnten anderen helfen und die, die zum Militär wollen, können das dann machen.”

Eine Schülerin und drei Schüler aus der 11. Jahrgangsstufe sind sich einig, dass es sinnvoll wäre, eine Pflicht für Wehr- oder Zivildienst einzuführen. Ein Schüler erklärt: “Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass es ein Militär gibt.” Wenn es um eine Pflicht ginge, wären ihnen verschiedene Dinge wichtig: Wehr- und Zivildienst sollten gleich behandelt werden, und genauso wie Männer sollten auch Frauen verpflichtet werden. Vor allem im Zivildienst sehen sie Vorteile. Der wäre zum Beispiel eine Möglichkeit, in manchen Bereichen den Arbeitskräftemangel zu reduzieren. Außerdem würde man den Zivildienst im Bestfall gut nach seinen Interessen ausrichten können. “Das wäre eigentlich für alle besser.”, meint einer der Schüler. Selbst Zivildienst zu leisten, können sich alle vier vorstellen. Für drei von ihnen wäre unter Umständen auch Militärdienst eine Option.

Artikel: MiriamS (9.Klasse); dnp (6.Klasse); yvl (9.Klasse)

Beitragsbild: pixabay