Kurzvideos: Unterhaltung oder ernsthaftes Problem?

Als erste Generation, die von Geburt an mit Internet, sozialen Medien und Smartphones aufwächst, haben wir uns einen gewissen Ruf als „Digital Natives“ gemacht. Gerade die wohl immer kürzer werdende Aufmerksamkeitsspanne steht dabei immer mehr im Vordergrund. Doch werden wir wirklich immer unkonzentrierter?

Ein besonders wichtiger Aspekt, den es hierbei zu beachten gibt, sind Kurzvideos. Nach dem immensen internationalen Erfolg von TikTok haben auch andere Anteilhaber der sozialen Medien sich dieser Strategie bedient und ihre eigenen Plattformen für Kurzvideos geschaffen.

Mittlerweile gibt es Instagram Reels, Snapchat Spotlight und selbst Netflix hat kurzzeitig die Funktion „schnelle Lacher“ angeboten, um kleine Ausschnitte ihrer Filme und Serien im TikTok-Format anzusehen. Im Grunde haben sie aber allesamt die gleiche Funktion: Der Konsument bekommt auf seinem Smartphone Videos von kurzer Dauer (üblicherweise eine Minute) im Hochformat angezeigt und kann durch Wischen über den Bildschirm direkt zum nächsten springen. Der Algorithmus des Programms versucht dabei, möglichst auf den Nutzer zugeschnittene Inhalte zu finden. Deswegen verspürt man oft den Drang, sich noch „ein letztes Video“ anzusehen, da “gleich um die Ecke” tolle Inhalte warten, die man nicht verpassen darf. Zudem wird das Belohnungssystem des Gehirns übermäßig oft aktiviert und bei jedem Video Dopamin ausgeschüttet.

Problematisch wird das bei einem zu hohen Konsum. Dadurch dass das Aufrufen neuer Inhalte so einfach ist und nur eine kurze Fingerbewegung benötigt, verlieren wir oft das Gespür dafür, wann für uns Schluss ist. So ertappt man sich manchmal beim Wischen, obwohl man doch etwas ganz anderes vorhatte.

Andererseits stellen Kurzvideos eine Möglichkeit der Inspiration dar. Gerade wenn man einmal nichts im Kopf oder nichts zu tun hat, kann man durchaus Ideen aus den Unmengen an Content ziehen.

Influencer oder Betriebe sehen darin auch eine effektive Werbealternative, da gerade bei YouTube oder Instagram kürzere Videos vom Algorithmus bevorzugt werden und häufiger empfohlen werden. Trotzdem können selbige Videos auf vielen Plattformen nicht monetarisiert werden, weshalb sie derzeit nur zum Generieren von Aufmerksamkeit statt – wie normale Videos – als Einkommen nutzbar sind.

TikTok, als größter Anbieter dieses Genres, stammt ursprünglich aus China, was ebenfalls immer wieder Besorgnis aufwirft. Wie viele andere Applikationen werden Nutzerdaten gesammelt, mit denen vorrangig der Algorithmus gefüttert wird. Was aber nun, wenn diese Daten an Dritte weitergegeben werden? Was genau mit den Nutzerdaten passiert, ist oft unklar – so auch hier.

Letztendlich sind Kurzvideos ein zweischneidiges Schwert, denn im Grunde muss jeder für sich selbst abschätzen, wie sehr er von ihnen beeinflusst wird. Eine Abschaffung dieser, wovon schon in einigen Staaten die Rede war, nimmt allerdings wichtige Möglichkeiten zur Publizierung des eigenen Contents und wäre ein recht drastisches Mittel, das auch gewissermaßen einen Teil Kultur auslöschen würde.

 

Autor: DanielL, 11. Klasse

Titelbild: Pixabay